Zum Hauptinhalt springen

Smart Onboarding 2025: KYC neu gedacht zwischen KI, Sanktionen und digitalen Geldflüssen

Die Art, wie Kund:innen Geld bewegen, hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Digitale Plattformen, Kryptowährungen, Embedded Finance, Mobile Wallets und Peer-to-Peer-Payments prägen eine neue Realität des Finanzflusses. Für Geldwäschebeauftragte und KYC-Verantwortliche bedeutet das: Onboarding und Kundenüberwachung müssen neu gedacht werden.

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du Smart Onboarding in der Praxis umsetzt, welche Megatrends du berücksichtigen musst – und wie du Compliance und Kundenerlebnis in Einklang bringst.

KYC in Zeiten von KI, Sanktionsdynamik und digitalen Geldflüssen

Was bedeutet Smart Onboarding im Jahr 2025?

Smart steht für mehr als nur „schnell und digital“. Es bedeutet:

  • Sicher: AML-konform und risikobasiert

  • Modular: angepasst an Produkt, Region und Kundentyp

  • Automatisiert: digitalisiert, aber mit klaren Eskalationsstufen

  • Reaktionsfähig: dynamisch anpassbar an regulatorische Anforderungen

  • Transparenzfördernd: nachvollziehbar für Prüfer:innen und Aufsicht

Das Ziel: ein Onboarding-Prozess, der User Experience mit Regulatorik verbindet.


1. Geschwindigkeit trifft Sorgfaltspflicht

Kund:innen erwarten heute eine sofortige Kontoeröffnung – am besten mobil, 24/7 und ohne Medienbruch. Gleichzeitig gilt: Kein Kompromiss bei der Sorgfaltspflicht.

Herausforderung: Wie schaffst du den Spagat zwischen Geschwindigkeit und gesetzeskonformer Prüfung?

  • Digitale Identifizierung (z. B. VideoIdent, BankIdent)

  • Automatisierter Abgleich mit PEP- und Sanktionslisten

  • Regelbasierte Risikoklassifizierung im Hintergrund

Die Lösung liegt in smart kombinierten Technologien und einem klar definierten Fallback-Prozess für Spezialfälle.


2. KYC wird ein kontinuierlicher Prozess (cKYC)

Früher: Einmal KYC beim Onboarding, dann Ruhe. Heute: Kontinuierliche Überwachung ist Pflicht.

  • Automatisierte Re-Screenings

  • Monitoring von Verhaltensmustern

  • Alerts bei Adverse Media oder Strukturveränderungen

cKYC (continuous Know Your Customer) bedeutet, dass du Kundenprofile laufend aktualisierst und neue Risikofaktoren dynamisch bewertest.


3. Know Your Data statt nur Know Your Customer

KYC-Prozesse sind heute datengetrieben. Es geht nicht nur um den Namen und die Adresse, sondern um:

  • Welche Zahlungskanäle nutzt dein Kunde?

  • Welche Verhaltensmuster sind typisch?

  • Wie sieht die digitale Herkunft der Mittel aus?

Entscheidend ist, dass du die Datenquellen kennst, verstehst und korrekt verknüpfst:

  • eID, VideoIdent, Bankzugangsdaten

  • API-Zugänge zu PEP-/Sanktionslisten

  • Verhaltensanalysen in Echtzeit

Das Ziel: Automatisiertes Risikoscoring mit klarer Nachvollziehbarkeit.


4. Neue Risiken durch neue Kanäle

Zahlungen über Crypto-Exchanges, Neobanken, Wallets oder Embedded-Finance-Dienste können klassische Herkunftsnachweise unterlaufen.

Du brauchst neue Mechanismen zur Erfassung von:

  • Wallet-Adressen und Plattform-Zugehörigkeit

  • Transaktionshistorien mit Herkunftsbezug

  • Verhalten im digitalen Kontext (z. B. Mobilität, Anomalien)

Ziel: Klare Regeln zur Bewertung digitaler Zahlungswege.


5. Automatisierung mit Entscheidungskontrolle

KYC-Prozesse werden automatisiert. Das heißt: Machine Learning trifft Entscheidungen. Doch:

  • Wann greift die menschliche Prüfung ein?

  • Welche Kriterien führen zu „Red Flags“?

  • Wie wird dokumentiert, wer welche Entscheidung getroffen hat?

Governance First: Jede automatisierte Entscheidung braucht eine Review-Möglichkeit, einen Audit Trail und eine menschliche Eskalationsebene.


Megatrend 1: KI-gestütztes Monitoring

KI erkennt Muster, die für Menschen unsichtbar bleiben. Für KYC bedeutet das:

  • Verhalten statt fixe Schwellenwerte prüfen

  • Echtzeit-Risikoprofile dynamisch anpassen

  • Lernszenarien durch neue Daten (z. B. Transaktionsverhalten)

Aber: Du brauchst transparente Algorithmen, Dokumentation der Logik und regelmäßige Validierung.


Megatrend 2: Internationale Sanktionsdynamik

Globale Spannungen, politische Umbrüche, neue Embargos – Sanktionslisten ändern sich täglich. Onboarding muss das abbilden:

  • Echtzeit-Abgleiche mit internationalen Watchlists

  • Realtime-Screening bei jedem Kundenkontakt

  • Berücksichtigung lokaler und globaler Listen

Tipp: Nutze Dienste mit API-gestützter Listensynchronisierung und baue eigene Eskalationslogiken bei Sanktionsverdacht ein.


Megatrend 3: Digitalisierung der Geldflüsse

Finanzströme laufen heute in Echtzeit über nicht-traditionelle Kanäle. Damit verbunden:

  • Neue Geldströme, neue Risiken

  • Veränderte Customer Journeys

  • Grenzüberschreitende Zahlungen auf Knopfdruck

KYC muss mithalten: mit flexiblen, digitalen Tools und Monitoring-Logiken, die für Wallets und Plattformen genauso gelten wie für klassische Banken.


Praxis-Tipps für KYC-Verantwortliche

  • Modulare KYC-Logik: Unterschiedliche Risikostufen brauchen unterschiedliche Prüftiefe

  • Smart Workflows: Automatisierte Prozesse mit menschlicher Kontrolle bei Eskalation

  • Tech + Regulatorik im Team trainieren: Kontextverständnis bleibt menschlich

  • Risikomodelle flexibel halten: Geschäftsmodell- und Marktveränderungen erfordern schnelle Anpassung

  • Tool-Interoperabilität sicherstellen: Schnittstellen müssen funktionieren – sonst droht Medienbruch im Onboarding-Funnel


Fazit: KYC im digitalen Zeitalter ist ein datengetriebener Risikodialog

Es reicht nicht mehr zu wissen, wer dein Kunde ist. Du musst verstehen, wie er sich verhält, woher sein Geld kommt und wie seine digitalen Spuren aussehen.

Digitalisierung im Onboarding heißt: schneller, smarter, sicherer – aber nur mit Governance, Transparenz und technischem Verständnis.

Smart Onboarding ist kein Projekt. Es ist ein strategischer Erfolgsfaktor.

Dieses Seminar könnte dich interessieren:

S+P Seminar L04 · Geldwäsche­prävention

KYC & Sorgfalts­pflichten 2026/2027:
Kunden prüfen, UBO ermitteln

Ein Tag. Drei Werkzeuge für dein KYC.

Prüfe Kunden heute nach dem GwG und bereite dein KYC auf die ab 10.07.2027 anwendbare AMLR vor: mit nachvollziehbarer UBO-Ermittlung, risikogerechten Aktualisierungen und dokumentierten EDD-Entscheidungen. Du nimmst drei Werkzeuge mit: KYC-Datenmatrix mit Update-Plan, UBO-Strukturanalyse und EDD-Prüfprotokoll.

Kunden nach GwG prüfen und dein KYC auf die AMLR vorbereiten – mit KYC-Datenmatrix, UBO-Strukturanalyse und EDD-Prüfprotokoll.

Für

  • Geldwäsche­beauftragte
  • Compliance-Manager:in
  • KYC-Analyst:in & AML-Spezialist:in
  • Live-Online
  • Mit Praxisfällen
  • Update 2027

Dein Seminartag

09.15 bis 17.00 Uhr · Online

930 €

Online

zzgl. gesetzl. MwSt. · ab 2 Personen aus einem Unternehmen 10 % Nachlass für alle

  1. 01 KYC und Customer Journey Pflichtangaben erheben und Kundendaten aktuell halten. Inhalte ansehen Block 01 Pflichtangaben nach AMLR und RTS Update-Intervalle und Trigger PEP- und Sanktionsscreening Zum Programm
  2. 02 Wirtschaftlich Berechtigte Eigentums- und Kontrollstrukturen nachvollziehbar auflösen. Inhalte ansehen Block 02 Beteiligungsketten analysieren Stiftungen und Trusts Transparenzregister abgleichen Zum Programm
  3. 03 Verstärkte Sorgfalt Herkunft von Mitteln und Vermögen plausibilisieren. Inhalte ansehen Block 03 Source of Funds und Wealth Hochrisiko-Drittländer Adverse Media auswerten Zum Programm
1 Seminartag
Kompakt und praxisnah
6,0 Zeitstunden
Netto-Unterricht
S+P Tool Box
KYC-, UBO- und EDD-Toolkits
Zertifikat & Badge
Teilnahme dokumentieren

Das ausführliche Programm

Ein Seminartag,
drei Themenblöcke

  1. 01

    KYC-Sorgfalts­pflichten und Customer Journey

    Kundendaten vollständig, nachvollziehbar und ohne unnötige Reibung erheben und aktuell halten. Dein Werkzeug: die KYC-Datenmatrix mit Update-Plan.

    • Allgemeine Sorgfaltspflichten nach § 10 GwG und Art. 20 ff. AMLR einordnen
    • Pflichtangaben nach Personentyp und Rechtsstand strukturieren: Identitätsdaten natürlicher und juristischer Personen, Angaben zu wirtschaftlich Berechtigten sowie Zweck und angestrebte Art der Geschäftsbeziehung nach §§ 10, 11 GwG und den künftigen AMLR-Vorgaben
    • Customer Journey: vorhandene Informationen aus Institut und Gruppe nutzen, Mehrfachabfragen beim Kunden vermeiden
    • Remote Onboarding: elektronische Identifizierung, qualifizierte Vertrauensdienste und begründete Alternativverfahren
    • Kundendaten aktualisieren: Intervalle nach Art. 26 AMLR und Trigger-Events wie PEP-Status oder Wechsel des wirtschaftlich Berechtigten
    • PEP- und Sanktionsscreening wirksam und risikogerecht ausgestalten; davon das laufende Transaktionsmonitoring und institutsspezifische Systempflichten abgrenzen, insbesondere § 25h Abs. 2 KWG für Kreditinstitute
    • Vereinfachte Sorgfalt bei geringem Risiko begründen und dokumentieren
    • Hinweise auf geldwäscherelevante Umwelt-, Sozial- oder Governance-Sachverhalte in die Kundenrisikobewertung einordnen; ein ESG-Rating nicht mit einem Geldwäsche- oder Terrorismusfinanzierungsrisiko gleichsetzen
  2. 02

    UBO: wirtschaftlich Berechtigte ermitteln und verifizieren

    Mehrstufige Eigentums- und Kontrollstrukturen auflösen und die Verifizierung belegbar machen. Dein Werkzeug: die UBO-Strukturanalyse.

    • Juristische Personen und sonstige Gesellschaften: Eigentum und Kontrolle auf andere Weise
    • Mehrstufige Beteiligungsstrukturen analysieren: mittelbare Kontrolle nach § 3 Abs. 2 GwG von der künftigen Berechnung indirekter Eigentumsanteile nach Art. 52 AMLR und den ergänzenden Kontrollregeln unterscheiden
    • Rechtsfähige Stiftungen, Trusts und vergleichbare Rechtsgestaltungen
    • Verifizierung des wirtschaftlich Berechtigten mit angemessenen Maßnahmen
    • Komplexität einer Struktur als Risikoindikator: Ebenen, Trusts, Nominees, Hochrisiko-Jurisdiktionen
    • Transparenzregister abgleichen und Unstimmigkeiten nach § 23a GwG melden
    • Immobilientransaktionen, Share Deals und verschachtelte Gesellschaftskonstruktionen
    • Schwelle für wirtschaftlich Berechtigte nach § 3 GwG und Art. 52 AMLR
  3. 03

    Enhanced Due Diligence, Screening und Recherche

    Verstärkte Sorgfaltspflichten auslösen, durchführen und so dokumentieren, dass die Entscheidung prüfbar ist. Dein Werkzeug: das EDD-Prüfprotokoll.

    • Verstärkte Sorgfaltspflichten nach § 15 GwG begründen: gesetzliche Fälle wie PEP, bestimmte Drittstaatenbeteiligungen und auffällige Transaktionen von weiteren risikoorientiert zu bewertenden Faktoren wie komplexen Kundenstrukturen unterscheiden
    • Herkunft der konkret eingesetzten Mittel (Source of Funds): wirtschaftlichen Entstehungsgrund, Belege und Zahlungsweg zusammenführen; einen nachvollziehbaren Transferweg nicht mit einem Nachweis der wirtschaftlichen Herkunft gleichsetzen
    • Herkunft des Vermögens (Source of Wealth): Ursprung des Gesamtvermögens plausibilisieren
    • Adverse-Media-Recherche und Bewertung von Screening-Treffern
    • KYC bei internationalen Kundenverflechtungen und Mehrstaatlichkeit
    • Besonderheiten im Investmentgeschäft (KVG, Broker, Banken), im Konsortialkreditgeschäft und in der Trade Finance
    • Transaktionen mit dokumentiertem Zweck und Kundenprofil abgleichen, Eskalation und Verdachtsmeldung nach § 43 GwG
    • EU-Rahmen einordnen: AMLR, RTS, AMLD6 und die Rolle der AMLA

Für wen

Geldwäschebeauftragte und ihre Stellvertretungen, Compliance-Manager:innen, KYC-Analyst:innen und AML-Spezialist:innen sowie Mitarbeitende aus Onboarding und Kundenbetreuung mit KYC-Aufgaben.

Was mitbringen

Grundkenntnisse des Geldwäschegesetzes sind hilfreich. Fragen aus deinem Onboarding und anonymisierte Beispiele schwieriger Kundenstrukturen kannst du in die Fallarbeit einbringen. Bitte verwende keine personenbezogenen Kundendaten oder vertraulichen Originalunterlagen.

Aktueller Stand

Jeder Termin arbeitet mit dem am Seminartag maßgeblichen Rechtsstand. Wir unterscheiden bereits anwendbare Pflichten, verabschiedetes künftig anwendbares Recht und Entwürfe. Bei technischen Regulierungsstandards trennen wir den AMLA-Entwurf, den Erlass durch die Kommission, das Inkrafttreten und den jeweiligen Anwendungsbeginn.

Regulatorisches Update · Stand 06.10.2026

Was sich für dein KYC konkret ändert.

Fünf Änderungen für Onboarding, UBO-Ermittlung und verstärkte Sorgfalt – im Seminar in allen drei Blöcken eingeordnet, mit klarer Trennung von geltendem Recht, festen Stichtagen und Entwürfen.

Bisherige und neue Regelung im Vergleich
Bisherige Regelung Neue Regelung
EU-Liste der Drittländer mit hohem RisikoBis 28.01.2026 führte die Delegierte VO (EU) 2016/1675 unter anderem Burkina Faso, Mali, Mosambik, Nigeria, Südafrika und Tansania. Russland stand nicht auf der Liste. Seit 29.01.2026Die Delegierten VO (EU) 2026/46 und (EU) 2026/83 nehmen Russland (neue Kategorie: ausgesetzte FATF-Mitgliedschaft), Bolivien und die Britischen Jungferninseln auf und streichen die sechs genannten Staaten. Bei Geschäftsbeziehungen oder Transaktionen unter Beteiligung eines EU-gelisteten Drittstaats mit hohem Risiko oder einer dort ansässigen natürlichen oder juristischen Person sind § 15 Abs. 3 Nr. 2 und Abs. 5 GwG zu prüfen. Die gesetzliche Ausnahme für bestimmte Zweigstellen und mehrheitlich gehaltene Tochterunternehmen ist gesondert zu beachten. Maßgeblich ist die EU-Liste: Algerien und Namibia hat die FATF im Juni 2026 aus ihrer verstärkten Beobachtung entlassen, auf der EU-Liste stehen sie weiterhin.
Kundensorgfalt und AktualisierungDie Kundensorgfaltspflichten ergeben sich aus dem GwG: allgemeine nach § 10, vereinfachte nach § 14, verstärkte nach § 15 GwG. § 10 Abs. 1 Nr. 5 GwG verlangt eine risikoorientierte Aktualisierung in angemessenem zeitlichen Abstand, ohne selbst allgemeine Jahres-Höchstfristen festzulegen. Für BaFin-beaufsichtigte Verpflichtete sind zusätzlich die Auslegungs- und Anwendungshinweise zu beachten: Abschnitt 5.5.2 benennt Ein- bzw. Fünfjahresgrenzen für verstärkte bzw. allgemeine Sorgfaltspflichten und eine Umsetzung der geänderten Zeiträume bis zum maßgeblichen AMLR-Anwendungsbeginn. Vereinfachte Sorgfaltspflichten und anlassbezogene Aktualisierungen sind gesondert einzuordnen. Ab 10.07.2027Die VO (EU) 2024/1624 (AMLR) gilt für die hier angesprochenen Verpflichteten ab 10.07.2027 unmittelbar (Art. 90 AMLR). Kundendaten sind bei den in Art. 26 Abs. 2 AMLR bezeichneten Hochrisikokunden spätestens nach einem Jahr, bei allen übrigen Kunden spätestens nach fünf Jahren zu aktualisieren; anlassbezogene Prüfungen und erforderliche Aktualisierungen kommen hinzu (Art. 26 Abs. 3 AMLR). Nach dem noch nicht verbindlichen RTS-Entwurf (Erwägungsgrund 26, Art. 28) sind Bestandskunden risikoorientiert innerhalb dieser Fristen anzupassen, gerechnet ab Inkrafttreten der delegierten Verordnung.
Wirtschaftlich Berechtigter: Eigentums­schwelleWirtschaftlich Berechtigter über Eigentum ist, wer unmittelbar oder mittelbar mehr als 25 % der Kapitalanteile hält oder der Stimmrechte kontrolliert (§ 3 Abs. 2 Satz 1 GwG). Ab 10.07.2027Nach Art. 52 Abs. 1 AMLR liegt die Eigentumsschwelle bei 25 % oder mehr der Anteile, Stimmrechte oder sonstigen Eigentumsrechte. Eine Beteiligung von genau 25 % kann damit künftig bereits aufgrund des Eigentumskriteriums zur wirtschaftlichen Berechtigung führen. Nach geltendem § 3 Abs. 2 GwG kann eine solche Person bereits heute wirtschaftlich berechtigt sein, wenn sie auf vergleichbare Weise Kontrolle ausübt. Prüfe neben den Schwellenwerten auch die Regeln für mittelbare Beteiligungen, Kontrolle und den Abgleich mit dem Transparenzregister.
RTS zu den KYC-PflichtangabenWelche Angaben zu Kunde, wirtschaftlich Berechtigtem und Geschäftszweck im Einzelnen zu erheben sind, bestimmten GwG, Auslegungs- und Anwendungshinweise der Aufsicht und die Risikoanalyse des Instituts. EU-weit einheitliche Datenfelder gab es nicht. Entwurf · Stand 30.09.2026Die AMLA hat am 30.09.2026 ihren Abschlussbericht zu den RTS nach Art. 28 Abs. 1 AMLR veröffentlicht und die Entwürfe der Kommission übermittelt. Die Kommission muss die RTS noch erlassen; sie sollen sechs Monate nach Inkrafttreten gelten. Der finale Entwurf konkretisiert die risikoorientierte Umsetzung: Zweck und angestrebte Art der Geschäftsbeziehung müssen verstanden und beurteilt werden; Umfang der hierfür erforderlichen Informationen und ihrer Überprüfung richten sich nach dem Risiko und können vorhandene Informationen berücksichtigen. Komplexe Eigentumsstrukturen sind risikoorientiert zu bewerten. Beim gezielten Finanzsanktionsscreening sind automatisierte Verfahren, manuelle Prüfungen oder Kombinationen vorgesehen, sofern sie wirksam und für Geschäftsmodell, Risiken, Komplexität und Größe angemessen sind. Besondere gesetzliche Systempflichten bleiben zu beachten.
Transparenzregister und AMLD6Verpflichtete sehen nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 GwG in das Transparenzregister ein und melden Unstimmigkeiten nach § 23a GwG. Den allgemeinen Zugang der Öffentlichkeit nach Art. 30 Abs. 5 Unterabs. 1 Buchst. c RL (EU) 2015/849 i. d. F. RL (EU) 2018/843 hat der EuGH für ungültig erklärt (Urteil vom 22.11.2022, C-37/20 und C-601/20). Entwurf · BT-Drs. 21/8282Art. 11 bis 13 und 15 RL (EU) 2024/1640 (AMLD6) waren bis 10.07.2026 umzusetzen. Der Regierungsentwurf des Zollfinanzgerechtigkeitsgesetzes vom 30.09.2026 (BT-Drs. 21/8282) sieht hierzu Änderungen des Transparenzregisterrechts vor. Die in Art. 18 enthaltenen Änderungen sollen nach Art. 24 Abs. 2 des Entwurfs am Tag nach der Verkündung in Kraft treten, nicht erst pauschal am 01.01.2027. Geplant sind insbesondere neu gefasste Einsichtsrechte nach §§ 23, 23a GwG-E; die bisherige Unstimmigkeitsregelung soll nach § 23b GwG-E verschoben werden. Bis zum Inkrafttreten der jeweiligen Änderungen bleibt das bisherige Recht maßgeblich. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Dein Praxistransfer: Prüfe deine Länderrisikoliste gegen die jeweils geltende EU-Liste und ordne FATF-Änderungen gesondert ein. Vergleiche deine KYC-Datenfelder mit dem aktuellen RTS-Stand und plane die Bestandskundenaktualisierung risikoorientiert unter Beachtung der geltenden Anforderungen und der künftig maßgeblichen Fristen.

Praxiswerkstatt

Wie entscheidest du,
wenn der Standardfall endet?

Drei KYC-Fälle ziehen sich durch den Seminartag. An ihnen erarbeitest du KYC-Datenmatrix, UBO-Strukturanalyse und EDD-Prüfprotokoll.

Fall 01 · Wirtschaftlich Berechtigter

Hinter der Holding steht ein Trust.

Ein Neukunde ist eine GmbH mit dreistufiger Beteiligungskette über eine ausländische Holding. Am Ende steht ein Trust, das Transparenzregister nennt einen fiktiven wirtschaftlich Berechtigten.

Deine Aufgabe: Analysiere in deiner UBO-Strukturanalyse die Eigentums- und Kontrollstruktur einschließlich der maßgeblichen Trust-Beteiligten. Prüfe, ob die Voraussetzungen für einen fiktiven wirtschaftlich Berechtigten vorliegen, und entscheide über eine Unstimmigkeitsmeldung nach geltendem § 23a GwG. Ordne anschließend ein, welche Ergebnisse sich nach den künftigen AMLR-Regeln ändern können.

Fall 02 · Monitoring

Die Umsätze passen nicht mehr zum Profil.

Auf dem Konto eines Handelsunternehmens gehen plötzlich hohe Zahlungen aus Drittstaaten ein, die kurz darauf weitergeleitet werden. Der dokumentierte Geschäftszweck nennt nur Inlandsgeschäft.

Deine Aufgabe: Halte das Trigger-Event in deiner KYC-Datenmatrix fest, löse die Aktualisierung aus und entscheide, ob die Schwelle für eine Verdachtsmeldung nach § 43 Abs. 1 GwG erreicht ist.

Fall 03 · Verstärkte Sorgfalt

Politisch aktiv in einem Hochrisiko-Drittland.

Ein vermögender Interessent mit zwei Staatsangehörigkeiten war bis vor kurzem in einem Staat der EU-Liste politisch tätig. Die Belege zur Vermögensherkunft sind lückenhaft.

Deine Aufgabe: Kläre zunächst, ob ein wichtiges öffentliches Amt und damit ein PEP-Fall vorliegt; berücksichtige nach Amtsende das fortbestehende PEP-Risiko. Prüfe in deinem EDD-Prüfprotokoll Source of Funds, Source of Wealth und den konkreten Drittstaatenbezug. Dokumentiere erforderliche Nachweise, Zustimmung der Führungsebene und verstärkte Überwachung. Entscheide, ob die Sorgfaltspflichten erfüllt werden können, ob die Geschäftsbeziehung abzulehnen ist und ob eine Verdachtsmeldung geprüft werden muss.

Dein Ergebnis

Was du an einem Tag erreichst

  1. 01 KYC-Datenmatrix

    Du legst je Kundentyp fest, welche Angaben du erhebst, wie du sie verifizierst und in welchem Intervall du sie aktualisierst.

  2. 02 UBO-Strukturanalyse

    Du leitest wirtschaftlich Berechtigte aus Eigentums- und Kontrollstrukturen ab, unterscheidest die Regeln des GwG von den künftigen AMLR-Vorgaben und dokumentierst Ermittlung und Verifizierung.

  3. 03 EDD-Prüfprotokoll

    Du plausibilisierst Mittel- und Vermögensherkunft und hältst fest, welche Maßnahmen du ergreifst und warum.

  4. 04 Screening

    Du bewertest PEP-, Sanktions- und Adverse-Media-Treffer und dokumentierst Freigabe oder Eskalation nachvollziehbar.

  5. 05 Umstellung auf AMLR

    Du kennst die Stichtage und priorisierst die Aktualisierung deiner Bestandskunden nach Risikoklassen.

  6. 06 Nachweis

    Du erhältst das S+P Teilnahmezertifikat mit dokumentierten Inhalten und 6,0 Zeitstunden sowie das Digital Badge.

Selbsteinschätzung

Wie belastbar ist
dein KYC heute?

Im Seminarpreis enthalten

Direkt anwenden. Aktuell bleiben.

Dein Seminar wirkt über den Veranstaltungstag hinaus: mit der S+P Tool Box für deine KYC-Praxis und S+P C.O.R.E. für regelmäßige Updates zur Umstellung auf das neue EU-Geldwäscherecht.

Vom Seminarwissen zur praktischen Anwendung.

01 · Direkt anwenden

S+P Tool Box

Dein Werkzeugkasten für KYC und AML.

Nutze die Seminarinhalte direkt in deinem Arbeitsalltag. Die Tool Box ist ohne Aufpreis im Seminarpreis enthalten und unterstützt deine drei Werkzeuge: KYC-Datenmatrix, UBO-Strukturanalyse und EDD-Prüfprotokoll.

  • Vorträge als PDF: alle Seminarfolien zum Nachschlagen, mit Einordnung von AMLR, RTS-Entwurf und AMLD6 zum jeweiligen Stand.
  • KYC-Toolkit für die KYC-Datenmatrix: S+P Onboarding-Excel-Tool mit Pflichtdatenfeldern, Update-Logik je Risikoklasse und Dokumentationsfeldern für Trigger-Events wie PEP-Status oder Wechsel des wirtschaftlich Berechtigten.
  • UBO-Toolkit für die UBO-Strukturanalyse: Leitfäden und Checklisten zu mehrstufigen Beteiligungen, Stiftungen und Trusts, zur Verifizierung und zum Abgleich mit dem Transparenzregister.
  • EDD-Toolkit für das EDD-Prüfprotokoll: Prüflisten zu Source of Funds und Source of Wealth, Screening-Guides für PEP-, Sanktions- und Adverse-Media-Treffer sowie Vorlagen zur Begründung der Maßnahmen nach § 15 GwG.

Dein Vorteil Du beginnst mit konkreten Arbeitshilfen und passt sie an deine Kundengruppen, Produkte und Freigabeprozesse an.

S+P Tool Box entdecken

02 · Aktuell bleiben

S+P C.O.R.E.

Dein Update. Dein Austausch. Dein nächster Impuls.

Bis zur Anwendung der AMLR folgen weitere Level-2-Texte, Leitlinien und nationale Umsetzungsgesetze. Mit S+P C.O.R.E. ordnest du aktuelle Entwicklungen ein und diskutierst praktische Umsetzungsfragen mit Fachverantwortlichen und Experten. Mit deiner Buchung bist du unbefristet und kostenfrei dabei – mit einem Update pro Quartal.

Die aktuellen Themen und Termine findest du im S+P C.O.R.E.-Programm. Für Compliance- und Geldwäscheverantwortliche stehen 2027 im Mittelpunkt:

  • Automatisierte Prozesse
  • AMLR-Umsetzung
  • Kontrollnachweise
  • Weiterentwicklung des Kontrollplans

Dein Vorteil Du bleibst auch nach dem Seminar mit aktuellen KYC- und AML-Themen und dem S+P Expertennetzwerk verbunden.

S+P C.O.R.E. entdecken

Bei jeder Buchung enthalten: unbefristet und kostenfrei, ein Update pro Quartal. Zu jedem Update-Event meldest du dich kurz an – so können wir das Update auf Teilnehmerzahl und Branchen abstimmen.

Compliance Anforderungen in die Praxis übertragen.
Optimization Prozesse und Strukturen weiterentwickeln.
Regulatory Regulatorische Entwicklungen einordnen.
Exchange Erfahrungen teilen und Fragen diskutieren.

S+P Certified

S+P Teilnahme­zertifikat
mit dokumentierten Inhalten

Musterzertifikat und Digital Badge des S+P Seminars L04 KYC und Sorgfaltspflichten

Zeig, was in dir steckt.

Nach dem Seminartag bekommst du deinen Nachweis digital – dort einsetzbar, wo er gesehen wird: im LinkedIn-Profil, im Lebenslauf und gegenüber Vorgesetzten und Auftraggebern.

  • S+P Teilnahmezertifikat mit Inhalt, Umfang und Stand
  • Digital Badge für Profil, Lebenslauf und Personalakte
  • 6,0 Zeitstunden als Fortbildungsnachweis ausgewiesen

Das steht auf deinem Teilnahme­zertifikat

Umfang
6,0 Zeitstunden
Netto-Unterrichtszeit gemäß strukturierter Seminarplanung.
Inhalte I
KYC · UBO
Kundensorgfaltspflichten nach GwG und AMLR, Aktualisierung von Kundendaten, Ermittlung und Verifizierung wirtschaftlich Berechtigter.
Inhalte II
EDD · Screening
Verstärkte Sorgfaltspflichten nach § 15 GwG, Source of Funds und Source of Wealth, PEP-, Sanktions- und Adverse-Media-Screening.
Stand
Seminartag
Inhalte nach dem am Seminartag geltenden Rechtsstand, einschließlich Einordnung von AMLR, RTS-Entwurf und AMLD6.

Über den Referenten

Achim Schulz

Porträt von Achim Schulz

Geschäftsführer der S+P Unternehmerforum & der S+P Compliance · Geldwäsche­prävention

  • Geldwäsche­beauftragter (MLRO)

Achim Schulz ist selbst als Geldwäschebeauftragter (MLRO) für Banken, Wertpapierinstitute und weitere BaFin-regulierte Institute bestellt. Über S+P Compliance verantwortet er als Auslagerungsdienstleister die ausgelagerte Geldwäsche-Beauftragten-Funktion in der Praxis – genau dieses Praxis- und Prüfungswissen fließt direkt in das Seminar ein.

LinkedIn-Profil  ·  Redaktion & Experten

Termine und Buchung

Alle Termine
für das Seminar L04

Ort S+P Seminare Datum
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen
Online L04 - KYC & Sorgfaltspflichten: Kunden rechtssicher prüfen Jetzt buchen

Frage zu Termin, Rechnung oder Anmeldung für mehrere Personen?

Schreib uns – die Antwort kommt in der Regel am nächsten Werktag. Meldest du dich mit mindestens zwei Personen aus einem Unternehmen an, erhalten alle Teilnehmenden 10 % Nachlass; für ein ganzes Compliance- oder KYC-Team ist eine Inhouse-Schulung meist wirtschaftlicher.

Erfahrungen von Teilnehmenden

Was Teilnehmende über S+P Seminare sagen

Unabhängige Bewertungen zu unseren Seminaren findest du auf zwei Bewertungsportalen.

Hinweis zur Echtheit: Die Bewertungen werden von ProvenExpert und Trustpilot erhoben, geprüft und angezeigt. Wie die Portale sicherstellen, dass Bewertungen auf einer tatsächlichen Teilnahme beruhen, erläutern sie jeweils auf ihren Profilseiten.

Fragen

Häufig
gefragt

Etwas offen geblieben? Schreib uns – Antwort in der Regel am nächsten Werktag.

Nächster Schritt

Kenne deine Kunden.
Belege jede Entscheidung.

Melde dich jetzt an und nimm KYC-Datenmatrix, UBO-Strukturanalyse und EDD-Prüfprotokoll direkt in deinen Arbeitsalltag mit. Ein Tag live online, 6,0 Zeitstunden, S+P Teilnahmezertifikat und Digital Badge, Tool Box und unbefristet kostenfreies C.O.R.E. Update inklusive.

Seminar L04

930 €
Online

zzgl. gesetzlicher MwSt. · 1 Tag · Online