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Industrial Accelerator Act · Strategie · Geschäftsleitung

Industrial Accelerator Act Strategie: 4 Fragen an die Geschäftsleitung

  • Rechtsstand: September 2026
  • COM(2026) 100 final
  • Verfahren 2026/0068(COD)
  • Lesezeit: rund 12 Minuten

Der Industrial Accelerator Act verknüpft Unionsursprung, CO₂-Intensität, öffentliche Beschaffung, Förderfähigkeit und bestimmte ausländische Investitionen enger miteinander. Damit verschiebt sich nicht nur die Compliance-Landschaft, sondern möglicherweise auch die Wettbewerbsposition einzelner Produkte, Geschäftsmodelle und Lieferketten.

Eine belastbare Industrial Accelerator Act Strategie beantwortet vier Fragen, bevor der Rechtsakt final ist: Welche Geschäftsmodelle gewinnen und welche verlieren? Welche Produkte lassen sich gezielt als nachweisstark positionieren? Welche Teile der Lieferkette müssen europäischer, transparenter oder resilienter werden? Und welche Drittstaatenabhängigkeiten gehören auf die strategische Risikolandkarte?

Der Vorschlag der Europäischen Kommission vom 4. März 2026 befindet sich im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren. Anforderungen, Schwellenwerte, Fristen und Anwendungsbereiche können sich bis zur Verabschiedung verändern. Genau deshalb ist jetzt nicht der Zeitpunkt für hektische Vollumsetzung, sondern für strategische Vorbereitung: Betroffenheit feststellen, Datenlücken erkennen, Szenarien durchrechnen und Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren.

  • Portfolio: erkennen, welche Produkte gewinnen und welche unter Druck geraten
  • Marktzugang: Nachweisfähigkeit vom Backoffice-Thema zum Vertriebsargument machen
  • Supply Chain: regulatorische Verwendbarkeit als fünftes Lieferantenkriterium verankern
  • Resilienz: Konzentrationsrisiken statt pauschaler Drittstaatenquote steuern
  • COM(2026) 100 final
  • Verfahren 2026/0068(COD)
  • Art. 114 AEUV
  • Art. 207 Abs. 2 AEUV
  • Verordnungen (EU) 2024/1735 und 2024/3110

PrüfungshinweisRechtsstand: Kommissionsvorschlag vom 4. März 2026, Verfahrensstand September 2026 laut Legislative Observatory des Europäischen Parlaments. Gleiche Angaben zu Anwendungsbereich, Schwellenwerten, Fristen und Sanktionen vor internen Freigaben gegen die jeweils aktuelle amtliche Fassung ab.

Teil A

Warum der IAA eine Frage der Wettbewerbsstrategie ist

Ausgangslage

Auf den ersten Blick stehen rechtliche und operative Fragen im Vordergrund:

  • Welche Herkunftsnachweise sind künftig zu erbringen?
  • Welche CO₂-Kriterien gelten?
  • Welche Anforderungen entstehen bei öffentlichen Ausschreibungen, Förderprogrammen und bestimmten Investitionen?
  • Welche Dokumentations- und Kontrollprozesse musst du dafür aufbauen?

Für Vorstand und Geschäftsführung greift diese Betrachtung zu kurz. Sobald europäische Herkunft, CO₂-Intensität, öffentliche Förderung, Beschaffung und strategische Investitionen regulatorisch stärker verknüpft werden, verändert sich nicht nur die Compliance-Landschaft. Es kann sich auch die Wettbewerbsposition einzelner Unternehmen, Produkte und Lieferketten verschieben.

Einordnung des aktuellen Entwurfs

Nach dem derzeitigen Entwurf sollen unter anderem Anforderungen an öffentliche Beschaffung, Förderfähigkeit, industrielle Lieferketten, CO₂-Kriterien, Unionsursprung sowie bestimmte ausländische Investitionen entstehen. Der IAA befindet sich allerdings noch im europäischen Gesetzgebungsverfahren. Anforderungen, Schwellenwerte, Fristen und Anwendungsbereiche können sich bis zur endgültigen Verabschiedung verändern.

Gerade deshalb ist jetzt nicht der Zeitpunkt für hektische Umsetzung. Es ist der Zeitpunkt für strategische Vorbereitung.

Teil B

Vier strategische Managementfragen

Vier Fragen sollten dich besonders beschäftigen. Sie lassen sich unabhängig vom endgültigen Verordnungstext beantworten und liefern die Grundlage für Portfolio-, Beschaffungs- und Investitionsentscheidungen.

Frage I

Welche unserer Geschäftsmodelle gewinnen, welche verlieren?

Regulierung verändert nicht nur Kosten. Sie kann auch die relative Wettbewerbsfähigkeit von Geschäftsmodellen verändern. Wenn europäische Herkunft, CO₂-Intensität und Nachweisfähigkeit bei öffentlicher Beschaffung oder Förderung stärker berücksichtigt werden, profitieren Unternehmen, deren Wertschöpfung bereits heute europäisch geprägt, emissionsärmer und transparent dokumentierbar ist. Unter Druck geraten können Produkte, deren Wettbewerbsfähigkeit auf sehr günstigen Drittstaatenlieferungen, komplexen Lieferketten oder schwer nachvollziehbaren Herkunfts- und CO₂-Daten beruht.

Damit entsteht eine neue Form der Segmentierung: Ein Produkt ist nicht mehr allein über Preis, Qualität und Lieferfähigkeit wettbewerbsfähig, sondern zusätzlich darüber, ob Herkunft, Lieferkette und Emissionsprofil regulatorisch belastbar nachgewiesen werden können. Für die Geschäftsleitung folgt daraus eine klassische Portfoliofrage. Der IAA gehört deshalb nicht nur in die Compliance-Matrix, sondern in die strategische Portfolioanalyse.

  • Produktlinien nach EU-Wertschöpfungsanteil und Emissionsprofil clustern
  • Umsätze mit öffentlichen Auftraggebern und Förderbezug je Linie ausweisen
  • Zusätzliche Nachweis- und Beschaffungskosten je Cluster abschätzen
  • Bestehende Wettbewerbsvorteile auf Bestandsfestigkeit prüfen
  • Preisunterschiede gegen künftige Ausschreibungschancen rechnen
  • Gewinner- und Verliererszenarien mit Bandbreiten hinterlegen
  • Ergebnisse in die reguläre Portfolio- und Investitionsplanung überführen
  • Annahmen, Datenquellen und Bewertungsstand dokumentieren

Frage II

Welche Produkte sollten wir gezielt als nachweisstark positionieren?

Aus regulatorischem Druck kann ein Wettbewerbsvorteil entstehen. Viele Unternehmen fragen zuerst, wie sie die neuen Anforderungen erfüllen. Die strategisch interessantere Frage lautet, wie du die Fähigkeit dazu gegenüber Kunden und Auftraggebern nutzt. Geeignet sind Produkte mit belastbaren Herkunfts- und CO₂-Daten, transparenter Lieferkette und einer Nachweisdokumentation, die auch anspruchsvolle Beschaffungs- und Förderkontexte trägt.

Wenn öffentliche Auftraggeber, Förderstellen und Industriekunden mehr Transparenz benötigen, steigt der Wert eines Anbieters, der diese Informationen schnell, belastbar und nachvollziehbar bereitstellt. Nachweisfähigkeit wird damit vom Backoffice-Thema zum Vertriebsargument. Compliance ist dann nicht mehr nur Voraussetzung für das Geschäft, sondern Bestandteil der Produktpositionierung.

  • Produkte identifizieren, deren Daten bereits heute belastbar sind
  • Herkunfts- und CO₂-Daten je Produkt auf Prüffähigkeit testen
  • Nachweisdokumentation als Standardanlage für Angebote aufbauen
  • Vertrieb und Bid-Management auf die neuen Argumente vorbereiten
  • Lieferzeiten für Nachweise messen und als Kennzahl führen
  • Produktentwicklung frühzeitig auf Nachweisfähigkeit ausrichten
  • Aussagen gegenüber Auftraggebern intern freigeben lassen
  • Keine Werbeaussagen ohne belegbare Datengrundlage

Frage III

Müssen wir unsere Lieferketten stärker nach Europa ausrichten?

Kaum ein Bereich dürfte strategisch so stark betroffen sein wie die Lieferkette. Supply Chains sind über Jahre nach vier Kriterien optimiert worden: Kosten, Qualität, Verfügbarkeit und Geschwindigkeit. Künftig kann ein fünftes Kriterium an Bedeutung gewinnen: die regulatorische Verwendbarkeit. Der günstigste Lieferant ist nicht zwangsläufig der strategisch beste, wenn Herkunft, CO₂-Werte oder andere relevante Informationen nicht zuverlässig nachweisbar sind.

Das bedeutet nicht, Lieferketten pauschal nach Europa zurückzuverlagern. Eine solche Schlussfolgerung wäre zu undifferenziert. Die sinnvollere Frage lautet, welche Bestandteile deiner Lieferkette europäischer, transparenter oder resilienter werden müssen. Daraus ergibt sich gezielter Handlungsbedarf für Second Sourcing, Dual Sourcing oder Nearshoring. Diese Fragen betreffen Einkauf, Produktion, Finanzierung, Risikomanagement und Strategie gleichzeitig.

  • Lieferantenstruktur nach Nachweisfähigkeit und Datenqualität bewerten
  • Regulatorische Verwendbarkeit als fünftes Kriterium im Rating ergänzen
  • Kritische Positionen für Second Sourcing und Dual Sourcing bestimmen
  • Nearshoring nur dort prüfen, wo es Nachweislücken tatsächlich schließt
  • Informations-, Audit- und Gewährleistungsrechte vertraglich verankern
  • Datenlieferung von Lieferanten mit Fristen und Formaten festlegen
  • Einkauf, Produktion, Zoll und Nachhaltigkeit an einen Tisch bringen
  • Mehrkosten gegen Ausschreibungschancen und Versorgungssicherheit stellen

Neue Kriterien im Lieferantenrating

Besonders relevant wird die Datenfähigkeit der Lieferanten. Ursprungsfeststellung, Lieferantendokumentation, CO₂-Datenerhebung und Nachweisführung werden zu Vorbereitungsthemen. Ein Lieferant, der preislich attraktiv ist, aber keine belastbaren Daten liefert, verliert an strategischem Wert. Neben Preis, Qualität und Termintreue können deshalb weitere Kriterien hinzukommen. Aus klassischem Supply-Chain-Management wird zunehmend ein Regulatory Supply Chain Management.

  • Nachweisfähigkeit
  • Datenqualität
  • EU-Wertschöpfungsanteil
  • CO₂-Transparenz
  • Auditierbarkeit
  • Regulatorische Zuverlässigkeit

Vereinfachtes Praxisbeispiel

Ein deutscher Maschinenbauer beteiligt sich regelmäßig an öffentlich finanzierten Infrastrukturprojekten. Eine zentrale Komponente bezieht er bislang ausschließlich von einem asiatischen Lieferanten. Preis und Qualität stimmen, belastbare Herkunfts- und CO₂-Daten liegen jedoch nur eingeschränkt vor. Ein europäischer Alternativlieferant wäre zunächst teurer.

Wenn Nachweisfähigkeit künftig stärker über den Zugang zu bestimmten Ausschreibungen oder Förderkontexten entscheidet, verändert sich die Rechnung. Der höhere Einkaufspreis kann durch bessere Ausschreibungschancen, geringere regulatorische Risiken und höhere Versorgungssicherheit wirtschaftlich gerechtfertigt sein. Aus einer Compliance-Frage wird damit eine Investitionsentscheidung.

Frage IV

Welche Drittstaatenabhängigkeiten werden zum strategischen Risiko?

Nicht jede Abhängigkeit von einem Drittstaat ist problematisch, globale Lieferketten bleiben für viele Industrien unverzichtbar. Kritisch wird es dort, wo mehrere Risiken zusammentreffen: hohe wirtschaftliche Abhängigkeit, fehlende Alternativen, regulatorische Anforderungen, geopolitische Risiken und strategische Bedeutung des betroffenen Produkts. Besonders relevant sind kritische Rohstoffe, strategische Komponenten, Schlüsseltechnologien, Single-Source-Lieferanten und Produktionsstandorte außerhalb der EU.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie groß der Drittstaatenanteil insgesamt ist, sondern welche wenigen Abhängigkeiten die wichtigsten Geschäftsmodelle tatsächlich gefährden. Hinzu kommt die Investitionsperspektive: Der Entwurf sieht für bestimmte ausländische Direktinvestitionen ein besonderes Prüf- und Genehmigungskonzept vor. Für betroffene Transaktionen können schon vor Signing oder Closing zusätzliche Prüfungen und nach Vollzug Monitoring- und Reportingpflichten relevant werden. Damit wird Drittstaatenexposure zu einer strategischen Risikokennzahl.

  • Konzentrationsanalyse statt pauschaler Drittstaatenquote durchführen
  • Kritische Rohstoffe, Schlüsselkomponenten und Single-Source-Lieferanten markieren
  • Wiederbeschaffungszeit und Kosten einer Alternative je Position schätzen
  • Produktionsstandorte außerhalb der EU in die Bewertung einbeziehen
  • Ergebnisse auf die strategische Risikolandkarte der Leitung heben
  • Investitionsvorhaben früh auf mögliche Prüf- und Genehmigungsvorbehalte sichten
  • Zeitplan, Vertragsgestaltung und Freigabewege entsprechend anpassen
  • Drittstaatenexposure als Risikokennzahl in das Reporting aufnehmen

Teil C

Aus vier Fragen entsteht eine Managementagenda

Die vier Fragen lassen sich auf vier klassische Steuerungsfelder reduzieren. Genau deshalb sollte die strategische Befassung nicht allein bei Legal oder Compliance liegen.

Geschäftsmodell und Portfolio

Welche Produkte gewinnen an Wert, welche verlieren? Die Antwort gehört in die Investitions- und Produktplanung, nicht nur in die Risikoliste.

Portfolio

Markt und Vertrieb

Welche Angebote lassen sich als regulatorisch besonders belastbar positionieren? Nachweisfähigkeit wird zum Argument im Bid-Prozess.

Marktzugang

Supply Chain

Welche Lieferketten müssen angepasst oder diversifiziert werden? Aus Supply-Chain-Management wird ein Regulatory Supply Chain Management.

Beschaffung

Risiko und Resilienz

Welche Drittstaatenabhängigkeiten sind strategisch kritisch? Konzentration schlägt Quote, und die Ergebnisse gehören auf die Risikolandkarte.

Resilienz

Welche neuen Fähigkeiten brauchst du?

Der IAA ist organisatorisch ein Querschnittsthema. Herkunfts-, CO₂-, Lieferanten- und Investitionsdaten liegen typischerweise in unterschiedlichen Funktionen. Ein belastbarer Herkunftsnachweis kann Daten aus Einkauf, Zoll, Produktion und Lieferantenmanagement benötigen, CO₂-Nachweise zusätzlich Sustainability- und Produktionsdaten, Investitionsprüfungen wiederum Legal, M&A, Compliance und Geschäftsführung gleichzeitig. Damit entsteht ein Koordinationsproblem.

Die zentrale Aufgabe besteht deshalb darin, Daten, Verantwortlichkeiten und Freigaben funktionsübergreifend zusammenzuführen. Erst danach stellt sich die Make-or-Buy-Frage: Welche Fähigkeiten gehören zum strategischen Kern, und welche standardisierbaren Prüf-, Monitoring- oder Dokumentationsaufgaben lassen sich extern beziehen?

01

Geschäftsleitung

Betroffenheit feststellen lassen, Zuständigkeiten festlegen, Ressourcen zuweisen und die Make-or-Buy-Entscheidung treffen. Wesentliche Annahmen, Bewertungen und Beschlüsse gehören in eine dokumentierte Entscheidungsgrundlage, aus der später nachvollziehbar ist, auf welchem Kenntnisstand entschieden wurde.

02

Compliance und Legal

Anwendungsbereich beobachten, Nachweis- und Freigabeprozesse ausgestalten, Eigenerklärungen und behördliche Angaben über definierte Reviews steuern sowie Änderungen im Gesetzgebungsverfahren in die interne Anforderungsliste übersetzen.

03

Einkauf und Supply Chain

Lieferantendaten erheben und plausibilisieren, Ursprungsfeststellung und CO₂-Datenerhebung operationalisieren, Konzentrationsrisiken bewerten und Alternativen mit Vorlaufzeiten und Kosten hinterlegen.

Verantwortungsabgrenzung: Wer bereitet vor, wer entscheidet

Sobald standardisierbare Aufgaben extern vergeben werden, muss die Grenze zwischen Vorbereitung und Entscheidung sichtbar bleiben. Wir halten sie in jedem Arbeitspaket fest und dokumentieren sie in deinem Nachweispfad.

S+P Compliance bereitet vor und dokumentiert

  • Betroffenheits- und Konzentrationsanalyse mit Datenquellen und Annahmen
  • Aufbau von Nachweisketten für Herkunfts-, Lieferanten- und Emissionsdaten
  • Entwurf von Kontrollen, Freigabepunkten und Eskalationswegen
  • Aufbereitung von Szenarien einschließlich Bandbreiten und Wirkungsanalyse
  • Laufendes Monitoring des Gesetzgebungsverfahrens und der Anforderungsliste
  • Protokollierung, Versionierung und revisionsfeste Ablage aller Arbeitsschritte

Deine Geschäftsleitung entscheidet

  • Portfolio-, Beschaffungs- und Investitionsentscheidungen
  • Auswahl, Wechsel und Priorisierung von Lieferanten
  • Inhalt und Abgabe von Eigenerklärungen und Anträgen gegenüber Behörden
  • Freigabe von Kontrollen, Schwellenwerten und Berichtsrhythmus
  • Umfang und Inhalt der Kommunikation gegenüber Auftraggebern
  • Make-or-Buy und Mandat der beteiligten Funktionen

Für regulierte Institute wie für Industrieunternehmen gilt derselbe Grundsatz: Die Auslagerung verlagert die Aufgabe, nicht die aufsichtsrechtliche Verantwortung; sie bleibt in deinem Institut.

Wo neue Leistungen und neue Märkte entstehen

Regulierung erzeugt neue Aufgaben, neue Aufgaben erzeugen neue Märkte. Für Analyse-, Implementierungs- und Betriebsleistungen entsteht ein Markt entlang von drei Ebenen.

Analyse

Betroffenheit, Lieferketten- und Drittstaatenrisiken, Konzentrationsanalyse sowie eine erste Einordnung potenziell prüfpflichtiger Investitionsvorhaben.

Einstieg

Implementierung

Herkunfts- und CO₂-Nachweise, Governance, Kontrollen, Freigabeprozesse und die Verankerung in bestehenden Compliance- und Steuerungssystemen.

Aufbau

Managed Services

Laufendes Monitoring, Evidenzmanagement, regulatorisches Reporting und die Bearbeitung standardisierbarer Kontrollschritte nach deinen Vorgaben.

Betrieb

Je komplexer die Anforderungen werden, desto weniger trägt eine rein punktuelle Beratung. Gefragt sind Prozesse, Daten, Kontrollen und Nachweise, mit denen sich Anforderungen dauerhaft erfüllen lassen. Aus einem Beratungsprojekt wird so ein dauerhaftes Servicemodell. Wichtig bleibt dabei die Grenze: S+P Compliance bereitet vor und dokumentiert, deine Geschäftsleitung entscheidet.

Teil D

Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten

Weil sich der IAA noch im Gesetzgebungsverfahren befindet, wäre es verfrüht, umfangreiche neue Strukturen ausschließlich auf Grundlage des aktuellen Entwurfs aufzubauen. Ein fertiges IAA-Compliance-System ist heute nicht erforderlich. Abwarten wäre strategisch dennoch riskant: Nach dem Entwurf sollen einzelne Anforderungen früher greifen als andere. Relevant ist deshalb jetzt vor allem die Analyse- und Vorbereitungsphase.

1

Portfolio analysieren

Welche Produkte und Geschäftsmodelle könnten von stärkeren EU-Ursprungs- und Low-Carbon-Anforderungen profitieren, welche verlieren an Wettbewerbsfähigkeit?

2

Relevante Umsätze bestimmen

Welche Teile des Geschäfts hängen besonders von öffentlichen Ausschreibungen, Förderprogrammen oder strategischen Industrien ab?

3

Lieferketten transparent machen

Wo liegen die wichtigsten Drittstaatenabhängigkeiten, welche Lieferanten liefern zuverlässig Herkunfts- und CO₂-Informationen, und wo fehlen Alternativen?

4

Produktchancen identifizieren

Welche Angebote lassen sich so entwickeln und dokumentieren, dass sie für regulatorisch anspruchsvolle Kunden, Förderprogramme und Ausschreibungen geeignet sind?

5

Szenarien vorbereiten

Nicht die endgültige Regulierung vorhersagen, sondern durchspielen, was bei stärkerer Gewichtung von EU-Ursprung, verpflichtenden CO₂-Nachweisen oder strengerer Behandlung von Drittstaatenbezug geschieht.

Quick-Check für die nächste Leitungssitzung

Sechs Prüffragen, mit denen du in kurzer Zeit erkennst, wo dein Unternehmen steht. Die Spalte mit typischen Befunden beschreibt Muster aus der Praxis und ersetzt keine Einzelfallprüfung.

Prüffeld Prüffrage Bezug Typischer Befund
Betroffenheit Ist dokumentiert, welche Umsätze von öffentlicher Beschaffung und Förderung abhängen? COM(2026) 100 final, Beschaffungs- und Förderkapitel Zahlen liegen vor, sind aber nicht produkt- und nachweisbezogen aufbereitet
Ursprungsdaten Lässt sich der Unionsursprung je Produkt aus vorhandenen Systemen belegen? Anforderungen an Unionsursprung nach dem Entwurf Zolldaten vorhanden, aber nicht mit Produktstamm und Lieferantenakte verknüpft
CO₂-Daten Sind Emissionsdaten je Produkt reproduzierbar, geprüft und versioniert? Low-Carbon-Kriterien nach dem Entwurf Berechnungen bestehen auf Standortebene, nicht auf Produktebene
Lieferanten Enthält das Lieferantenrating Nachweisfähigkeit und Datenqualität? Interne Beschaffungsrichtlinie Rating endet bei Preis, Qualität und Termintreue
Investitionen Werden Transaktionen früh auf mögliche Prüf- und Genehmigungsvorbehalte gesichtet? Investitionskapitel des Entwurfs Regulatorische Prüfung setzt erst kurz vor Signing ein
Governance Ist eine Funktion benannt, die Daten, Freigaben und Berichte zusammenführt? Interne Organisationsverantwortung Zuständigkeit verteilt sich auf Einkauf, Legal und Nachhaltigkeit ohne klare Führung

Teil E

Fazit: vom Regulierungsprojekt zur Wettbewerbsstrategie

Der entscheidende Fehler wäre, den Industrial Accelerator Act ausschließlich als Aufgabe für Legal und Compliance zu betrachten. Beide Funktionen spielen eine wichtige Rolle, die strategischen Fragen reichen jedoch weiter: Welche Produkte verkaufst du künftig, wo produzierst und beschaffst du, welche Lieferanten sind tragfähig, von welchen Drittstaaten willst du abhängig sein, welche Fähigkeiten baust du selbst auf und welche beziehst du extern?

Eine tragfähige Industrial Accelerator Act Strategie entsteht deshalb nicht in der Compliance-Matrix allein, sondern in der Verbindung von Portfolio, Markt, Supply Chain und Risiko. Die Gewinner werden voraussichtlich nicht die Unternehmen sein, die die Regulierung am besten verwalten, sondern die, die ihre Markt-, Produkt- und Lieferkettenstrategie am frühesten auf die neue Wettbewerbslogik ausrichten.

  • Der IAA ist noch nicht verabschiedet, die Analysephase ist trotzdem jetzt.
  • Nachweisfähigkeit kann vom Backoffice-Thema zum Vertriebsargument werden.
  • Konzentrationsrisiken schlagen die pauschale Drittstaatenquote.
  • Dokumentierte Annahmen und Entscheidungen sind die Grundlage jeder späteren Nachweisführung.

Häufige Fragen zur Industrial Accelerator Act Strategie

Die Antworten beziehen sich auf den Kommissionsvorschlag vom 4. März 2026 und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Gilt der Industrial Accelerator Act bereits?+

Nein. Der Vorschlag der Europäischen Kommission vom 4. März 2026 durchläuft das ordentliche Gesetzgebungsverfahren. Laut Verfahrensakte des Europäischen Parlaments steht im September 2026 die Ausschussentscheidung aus, als indikativer Termin für die Plenarbefassung in erster Lesung ist der 14. Dezember 2026 vorgemerkt. Verbindliche Vorgaben entstehen erst mit Abschluss des Verfahrens und Inkrafttreten des Rechtsakts.

Warum ist der IAA kein reines Compliance-Thema?+

Weil Unionsursprung, CO₂-Intensität, öffentliche Beschaffung, Förderfähigkeit und bestimmte Investitionen enger verknüpft werden. Damit verändert sich nicht nur die Pflichtenlage, sondern möglicherweise auch die relative Wettbewerbsfähigkeit einzelner Produkte und Lieferketten. Die Themen gehören deshalb in Portfolio-, Vertriebs- und Investitionsentscheidungen und nicht allein in eine Compliance-Matrix.

Sollten wir unsere Lieferketten jetzt nach Europa zurückverlagern?+

Eine pauschale Rückverlagerung wäre zu undifferenziert. Sinnvoller ist die Frage, welche Bestandteile der Lieferkette europäischer, transparenter oder resilienter werden müssen. Entscheidend ist die Bewertung nach Nachweisfähigkeit, Datenqualität und regulatorischer Verwendbarkeit. Daraus ergibt sich gezielter Handlungsbedarf für Second Sourcing, Dual Sourcing oder Nearshoring an einzelnen kritischen Positionen.

Was bedeutet Nachweisfähigkeit als Vertriebsargument konkret?+

Wenn öffentliche Auftraggeber, Förderstellen und Industriekunden Transparenz über Herkunft, CO₂-Daten und Lieferketten benötigen, steigt der Wert eines Anbieters, der diese Informationen schnell, belastbar und nachvollziehbar bereitstellt. Praktisch heißt das: geprüfte Daten je Produkt, eine standardisierte Nachweisanlage für Angebote und eine gemessene Lieferzeit für Nachweise. Aussagen gegenüber Auftraggebern sollten intern freigegeben und belegbar sein.

Welche Drittstaatenabhängigkeiten gehören auf die Risikolandkarte?+

Nicht jede Abhängigkeit ist problematisch. Kritisch wird es dort, wo hohe wirtschaftliche Bedeutung, fehlende Alternativen, regulatorische Anforderungen und geopolitische Risiken zusammentreffen. Entscheidend ist eine Konzentrationsanalyse statt einer pauschalen Drittstaatenquote, einschließlich der Frage, wie lange eine Alternative benötigt und welche Kosten eine Diversifikation verursachen würde.

Was übernimmt S+P Compliance, was entscheidet das Unternehmen?+

S+P Compliance bereitet vor und dokumentiert: Betroffenheits- und Konzentrationsanalysen, Nachweisketten, Kontroll- und Freigabeentwürfe, Szenarien sowie das Monitoring des Verfahrens. Portfolio-, Beschaffungs- und Investitionsentscheidungen, die Auswahl von Lieferanten, der Inhalt von Eigenerklärungen und Anträgen gegenüber Behörden sowie die Freigabe von Kontrollen bleiben Entscheidungen deiner Geschäftsleitung. Die Auslagerung verlagert die Aufgabe, nicht die aufsichtsrechtliche Verantwortung; sie bleibt in deinem Institut.

Quellenverzeichnis

Amtliche EU-Dokumente zum Kommissionsvorschlag, zu seiner Folgenabschätzung und zum Verfahrensstand. Alle Links wurden am 4. September 2026 abgerufen.

  1. Europäische Kommission: Vorschlag für eine Verordnung, COM(2026) 100 final vom 4. März 2026Rahmen von Maßnahmen zur Beschleunigung industrieller Kapazitäten und der Dekarbonisierung in strategischen Sektoren, Verfahren 2026/0068(COD). PDF.single-market-economy.ec.europa.eu, PDF [PDF]
  2. Europäische Kommission: Anhänge 1 bis 4 zu COM(2026) 100 finalAnhänge mit den sektor- und produktbezogenen Konkretisierungen des Vorschlags. PDF.single-market-economy.ec.europa.eu, PDF [PDF]
  3. Europäisches Parlament: Verfahrensakte 2026/0068(COD), Legislative ObservatoryMaßgeblich für Verfahrensstand, Ausschusszuständigkeiten, Berichterstatter und den indikativen Plenartermin.oeil.europarl.europa.eu
  4. Europäische Kommission: SWD(2026) 71 final, Impact Assessment ReportFolgenabschätzung mit den ökonomischen Annahmen hinter Beschaffungs- und Ursprungskriterien. PDF.single-market-economy.ec.europa.eu, PDF [PDF]
  5. Europäische Kommission: SWD(2026) 72 final, Executive Summary of the Impact AssessmentKurzfassung der Folgenabschätzung, geeignet für die Vorbereitung von Leitungssitzungen. PDF.single-market-economy.ec.europa.eu, PDF [PDF]
  6. Europäische Kommission: SWD(2026) 70 final, Subsidiarity GridBegleitdokument zur Subsidiaritätsprüfung, relevant für die Debatte in den nationalen Parlamenten. PDF.single-market-economy.ec.europa.eu, PDF [PDF]
  7. Europäische Kommission: Factsheet zum Industrial Accelerator ActKompakte Darstellung der Ziele und Instrumente durch die Kommission. PDF.single-market-economy.ec.europa.eu, PDF [PDF]
  8. Europäische Kommission, GD Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU: Dokumentationsseite Industrial Accelerator ActSammelseite mit Verordnungsvorschlag, Anhängen, Folgenabschätzung und Factsheet.single-market-economy.ec.europa.eu

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Achim Schulz
Über den Autor

Achim Schulz

Geschäftsführer S+P Compliance & S+P Unternehmerforum · langjährige Vorstands- & Geschäftsführungserfahrung

Achim Schulz kennt die Führungsebene aus eigener Verantwortung – langjährig als Vorstand bei Banken und Geschäftsführer sowie als Interim-Manager in Industrieunternehmen. Diese Doppelperspektive aus Finanzsektor und Realwirtschaft prägt seine Beiträge für CEO, COO und CFO. Er kennt das Zusammenspiel von Geschäftsleitung, Aufsichtsrat und Gesellschaftern aus der Praxis und übersetzt strategische wie aufsichtsrechtliche Anforderungen in umsetzbare, haftungssichere Führungsentscheidungen – praxisnah und auf Augenhöhe mit dem Management.

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