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Zwei schwierige Fälle
Beide Fälle sind fiktiv. Sie zeigen, wo die Abklärung des PEP-Status nicht mit einem Häkchen endet. Die Bewertungskriterien sind Gestaltungsempfehlungen von S+P Compliance; die Entscheidung im konkreten Fall trifft dein Haus.
Fall 1: Der Treffer, der weder bestätigt noch ausgeschlossen werden kann
Ausgangslage. Beim Onboarding einer GmbH meldet das Screening für den alleinigen wirtschaftlich Berechtigten einen Treffer: Der Name entspricht dem eines Parlamentsmitglieds eines Drittstaats, die Staatsangehörigkeit stimmt überein, das Geburtsjahr weicht um zwei Jahre ab, der Geburtsort fehlt in der Datenbank.
Das Problem. Ein Falschtreffer ist nicht belegt, ein echter Treffer auch nicht. Der PEP-Status muss vor der Begründung der Geschäftsbeziehung geklärt sein, der Kunde drängt.
Vorgehen.
- Treffermerkmale gewichten: Geburtsdatum, Wohnsitz, Beruf und Lebensalter im Verhältnis zum Amt. Eine Namensgleichheit allein trägt weder die Bestätigung noch den Ausschluss.
- Den Kunden gezielt fragen, ob er das Amt ausübt oder ausgeübt hat, und Unterlagen anfordern (Lebenslauf, Beschäftigungsnachweis).
- Öffentliche Quellen heranziehen: Abgeordnetenverzeichnis, amtliche Funktionslisten, Biografie mit Geburtsdatum.
Drei mögliche Ergebnisse.
- Bestätigt: Es gilt § 15 Abs. 4 GwG.
- Ausgeschlossen: Mehrere unabhängige Merkmale sprechen dagegen. Du schließt den Treffer mit einer Begründung, die Merkmale und Quellen nennt.
- Ungeklärt: „Falschtreffer“ ist hier die falsche Antwort. Der Fall geht in die Eskalation, und die Geschäftsbeziehung wird nicht begründet, solange die Pflichten nach § 10 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 GwG nicht erfüllt werden können (§ 10 Abs. 9 GwG).[1]
Fall 2: Neun Monate nach Amtsende
Ausgangslage. Ein Bestandskunde, eine Beratungsgesellschaft, hat einen alleinigen wirtschaftlich Berechtigten, der bis vor neun Monaten Minister eines anderen EU-Mitgliedstaats war. Das Amtsende hat der Kunde selbst gemeldet. Seitdem steigen die Zahlungseingänge aus Beratungsverträgen mit Unternehmen, die zum früheren Ressort gehörten. Der Kundenbetreuer möchte die PEP-Einstufung zurücknehmen.
Das Problem. Die Zwölf-Monats-Frist läuft noch drei Monate. Sie ist aber nur die Untergrenze: Nach § 15 Abs. 7 GwG ist das Risiko zu berücksichtigen, bis davon auszugehen ist, dass es nicht mehr besteht.[1]
Bewertung.
- Amtsende aus einer öffentlichen Quelle bestätigen, nicht nur aus der Selbstauskunft.
- Fragen, ob der frühere Einfluss fortwirkt: Höhe des Amts, Zuständigkeit des Ressorts, Zusammenhang zwischen Zahlungsquellen und früherem Aufgabenbereich, Länderrisiko.
- Herkunft der Vermögenswerte und Zweck der Beratungsverträge plausibilisieren.
Ergebnis. Die Zahlungen aus dem früheren Ressortbereich sprechen dafür, dass das spezifische Risiko über zwölf Monate hinaus fortbesteht. Die verstärkten Maßnahmen bleiben dann bestehen; die Entscheidung wird begründet und mit neuem Wiedervorlagedatum abgelegt. Der Wortlaut von § 15 Abs. 7 GwG stellt auf die frühere PEP ab. Wie du Familienmitglieder und nahestehende Personen behandelst, solltest du deshalb ausdrücklich festlegen und an die Entscheidung zur PEP koppeln.